Sonntag, 14. Juni 2009

Bolzen, Bier, Buije erobert Frankenbach


Frankenbach(bno). Einmal im Jahr bilden die Giessener Jungs der legendären Bolzen, Bier, Buije Mannschaft Fahrgemeinschaften um ins hinterste Giessener Umland zu fahren. An Stellen dieser Welt wo es Fleisch noch in lebender Form gibt, die Heirat von Cousin und Cousine die Regel ist und die Leute eine Sprache sprechen, die ein wenig an deutsch erinnert.
Seit 1982 gibt es in dieser Region auch Fernsehen und Strom, was dazu führte das auch dort Fußball zuerst geschaut und später auch gespielt wurde. Inzwischen gibt es sogar Sportvereine, die an den regulären Runden teilnehmen. Die aus Frankenbach schaffte dieses Jahr das Kunststück letzter in der B-Klasse zu werden und hat den Titel als schlechteste Mannschaft Mittelhessen errungen. Respekt soweit.
Um diese Schmach zu verarbeiten haben sie ein Turnier veranstaltet und dazu eine Reihe Freizeitmannschaften eingeladen um endlich zu einem Erfolgserlebnis zu kommen. Wie im letzten Jahr auch wurden kurz vor Turnierbeginn erstmal die Regeln und der Modus geändert. Es war nun kein Turnier mehr sondern ein jeder gegen jeden mit Abschlusstabelle und „Meister“.



Erstes Spiel: Burschenschaft Krumbach – BBB (0:6)
Zum „Saisonauftakt“ bekam man es mit einem Team zu tun, dass aus einem noch abgeschiedeneren Ort als Frankbach kam. Ein Haufen junger Burschen, die nach lediglich 2 Bier zum frühstück in sichtlich ungewohnter Nüchternheit versuchten Fußball zu spielen. Diese armseligen Kreaturen bekamen erstmal eins mit dem BBB Knüppel verpasst und nach 12 belustigenden Minuten hatten Renaldinho (3), sein Knipser (2) und Sandy 6 Buden gezaubert. Im ersten Spiel war sogar Captain Maddin vor Ort und leistete seinen Beitrag, das Ergebnis nicht zweistellig zu machen. Danach musste er leider das Team verlassen, da er zu seinem Häkelkurs musste.

Zweites Spiel: BBB – Firma Schunk (1:0)
Manche Mannschaften lernen es wirklich nie. Nach zwei Vernichtungsschlägen beim Horst-Gimpel Cup und der Demütigung aus dem Vorjahr suchten die Betriebskicker das vierte Match binnen Jahresfrist.
Relativ gnädig demolierte der Knipser erstmal das Aluminum und schoss den Ball weit am Tor vorbei um dem übergewichtigen Torwart mit ein paar zusätzlichen Laufeinheiten bei seinem Ziel zu helfen wieder unter die 120kg zu kommen.
Der führ ihn eingewechselte Otto agierte ähnlich glücklos und trotz drückender Feldüberlegenheit wollte das Tor von der Offensivabteilung nicht gemacht werden. Es lag als mal wieder an Timm die Mannschaft aus diesem Schlamassel zu befreien. Mit unglaublicher Dynamik preschte er nach vorne, suchte den einfachen Abschluss und hämmerte die Kugel zum 1:0 in die Maschen.
Die unglaubliche Vielfalt an Offensivpotential ist es, was eine Spitzenmannschaft wie Bolzen, Bier, Buije auszeichnet. In der Folge musste der Zarr im Tor noch mal kurz sein ganzes Können zeigen. Fast mit dem Schlusspfiff entwischte ein Gummidichtungschneider und tauchte frei vorm Tor auf. Der erste Ball aufs BBB Tor. Wohl dem, der einen so sichern Rückhalt hat!

Drittes Spiel: SpVgg Frankenbach – BBB (1:0)
Die Lokalmatadoren kamen mit der Empfehlung von drei Siegen in den ersten drei Spielen und waren Tabellenführer. Ein vorentscheidendes Spiel um den Gesamtsieg zeichnete sich ab. Von Beginn an übernahm die Heronen von Bolzen, Bier, Buije das Zepter und hatten erneut klare Feldvorteile. Allerdings haderte man mal wieder mit den Chancen und –wie soll es anders sein- mit dem Schiedsrichter.
Das Heimteam grätschte, foulte und stänkerte wie es anscheinend auf den schönen Hartplätzen der B-Klasse üblich. Für besonders hartes Einsteigen gab es da auch schon mal Applaus vom Publikum und Annerkennung vom Schiedsrichter, der in diesem Spiel seine Pfeife genau dreimal benutzte:
1. zum Anpfiff
2. beim Tor der SpVgg, bei dem der Angreifer Basti einfach aus dem Weg stieß
3. Nach 11 Minuten und 38 Sekunden zum Abpfiff.
Einen letzten Angriff über Renaldinho, der den Knipser gefährlich in Szene setze unterband der „Unparteiische“ mit dem Schlusspfiff 22 Sekunden vor Ablauf der Zeit.
In solchen Momenten lernt man die Spiele der Bunten Liga schätzen, wo man sich mit solchen Idioten nicht rumärgern muss.
Stillvoll jubelten die Spieler der SpVgg, die Zuschauer und der Schiri über die Vorentscheidung zum Turniersieg. Mit 12 Punkten aus 4 Spielen und lediglich 2 ausstehenden Partien konnte man den Sekt kalt stellen.

Zwischenzeitlich hatte die Burschenschaft aus Krumbach auch ihr drittes Spiel verloren, aber sich sichtlich gesteigert. Nach 23 Körbchen Colaweizen tanzten sie bereits oberkörperfrei zu feinster Ballermannmusik und feierten ihr erstes Tor wie eine Meisterschaft. Mit einer weitren Runde Jägermeister schafften sie es ihren Normalzustand jenseits der 2,00 Promillegrenze zu erreichen.

Viertes Spiel: BBB – AH / Bräueule 02 (1:1)
Frustriert und genervt hatte man nur ein Spiel Pause um sich erneut von betrunkenen Schiedsrichtern nerven zu lassen. Dafür gab es ein feines Fußballspiel gegen die Alten Herren der Bräueule. Sie glänzten zwar weniger mit Tempofußball und Bewegung, zeigten aber das sie Fußball spielen können und trotz ihres gesetzten Alter eine feine Ballbehandlung hatten und einwandfreies Stellungsspiel machten.
Die ansehnliche Partie war ein ständiges Anrennen gegen die stabile Abwehr der Bräueule, bis der Knipser sein Tor machte. Den Turniersieg bereits aufgegeben wechselte man fleißig durch und auch Gichter Netzer nahm sich seine Spielanteile.
Kurz vor Schluss musste man dann den Ausgleich hinnehmen, nachdem die Alten Herren erst fein Kombinierten und mit perfekter Schusstechnik abschlossen.
Der erneute Punktverlust verlangte einen genauen Blick auf die bisherigen Ergebnisse. Erleichtert stellte man fest, dass es bisher recht ausgeglichen zur Sache ging und lediglich die SpVgg alle Spiele gewonnen hatte. Der zweite Platz war also immer noch ein realistisches Ziel. In nächsten Spiel schoss die Firma Schunk kurz vor Schluß das 1:1 gegen die SpVgg und somit hatten auch die Gastgeber einen ersten kleinen Fleck auf ihrer Weste. Man witzelte schon, dass hier noch nichts entschieden ist und schaute auf den Spielplan gegen wenn die Betrüger noch spielen mussten: Burschenschaft Krumbach… diese feierte sich inzwischen nur noch selber, gröllte weiter Ballermannlieder und trank das 34. Körbchen Colaweizen…

Fünftes Spiel: BBB – PVA Tepla (2:1)
Ein bunt gemischtes Team mit einer Reihe Vereinspieler und einer Reihe Bewegungslegastenikern erwartet die erfahrene Bolzen, Bier, Buije Spieler. Von Beginn gestaltete sich das Spiel als äußerst hart umkämpft. Teils gekonnt, teils unbeholfen rannten die PVA Spieler in die Zweikämpfe und man lernte die Vorteile von Schienbeinschonern kennen. Wieder mal konnte man den Vorteil der Vielseitigkeit nutzen, den gleich drei Spieler weggrätschen schafften auch die Mannschaft Tepla nicht. Während Sandy und Renaldinho am Boden lagen zog der Prinz zum Tor markierte das 1:0. Danach erhöhten die Gegner noch mal den Einsatz und da man von Seiten des Schiedsrichter keine Hilfe bekam war man gezwungen mit ähnlich unfeiner Spielweise gegenzuhalten. Die Folge waren dann auch endlich die ersten Pöpelein auf dem Platz und in diesem Trubel fiel der 1:1 Ausgleich.
Da das Spiel aber bekanntlich erste zu Ende ist wenn der Schiri pfeift blieb noch Zeit für einen finalen Angriff. Timm umkurvte zwei Gegenspieler und legte auf Renaldinho. Dieser spielte schnell zum Prinzen, welcher nun allein vorm Tor stand. Schnörkellos vollendete der Knipser zum viel umjubelten 2:1 Endstand.


Intermezzo: SpVgg Frankenbach – Burschenschaft Krumbach
Das letzte Spiel der SpVgg. Auf Grund der guten Vorergebnisse reichte den Lokalmatadoren ein Unentschieden um sich mit 14 Punkten den Gesamtsieg zu sichern. Auf der anderen Seite die Burschenschaft Krumbach, den ein weiteres Körbchen Bier gereicht hätte um ins Alkoholkoma zu fallen. Eigentlich hätte man dieses Spiel gar nicht anpfeifen müssen, denn es war schon ein grauenhaftes Bild, wie die Jungs oberkörperfrei Richtung Spielfeld tanzten.
Nach Anpfiff gleich die ersten Chancen für die Spielvereinigung. Irgendwie schafften sie es aber nicht die Kugel zu versenken und die Burschenschaft kam zum kontern. In ungewollter Schlangenlinie torkelte ihr Angreife nach vorne und umkurvte seine Gegenspieler ohne noch großen Einfluss auf seine Körperbewegung zu haben. Wie der Ball dann auch noch ins Tor gekommen ist entzieht sich der Erkenntnis des Verfassers. Lautstarker und völlig abgefahrene Torjubel, bei dem der Schütze nicht nur sein Trikot auszog machten erst auf die Situation aufmerksam. Nach 2 Minuten also die 1:0 Führung für den Underdog.
Danach brannten die Frankenbacher ein wahres Feuerweg ab, aber der Krumbacher Torwart wuchs über sich hinauß und schaffte es jedes Mal den richtigen der zwei Bälle, welche er sah, abzulenken. Zudem gingen auch einige Bälle vorbei und wurden nicht unbedingt auf dem schnellsten Weg von der hinter dem Tor stehenden BBB Mannschaft zurückgegeben. Wichtig ist nicht nur aufm Platz...
In der Folge wiederholte sich das Spiel und die Burschen kamen zu ihrer zweiten Chance. Ihr Kleinster rannte als gebe es Freibier im Nachbarort und kurz vor dem Durchbrechen der Schalmauer erreichte er den langen Ball seines Torwarts. Das Schicksal hatte sich längst für eine Mannschaft entschieden und seine Volleyannahme donnerte ins linke Eck. 2:0 3:30 Minuten vor dem Ende. Nun war es an der Zeit dem Schicksal endgültig auf die Sprünge zu helfen. Lautstark empfahl den Burschen den Ball einfach nur wegzudreschen. Es half nichts, die SpVgg kam noch mal zurück und machte 2 Minuten vor Schluß den Anschlusstreffer zum 1:2. Nun wurde die Partie hitzig. Sinnvoller Weise diskutierten die Frankenbacher 30 Sekunden ob sie nun Ecke habe oder es Abstoß gibt. Zwei weitere lange Bälle in den Wald und auf den Parkplatz ließen die Zeit verrinnen und durch massiven Druck einzelner Anwesender wurde der Schiri genötigt pünktlich abzupfeifen.


Sechstes Spiel: 11 Freunde – BBB (0:1)
Matchball für BBB. Nach der Lachnummer im Spiel SpVgg Frankbach vs. Burschenschaft hatte man auf Grund des deutliche besseren Torverhältnis (danke dem 6:0 gegen eben diese Burschenschaft!) war vor dem letzten Spiel des Tages klar das ein Sieg die „Meisterschaft“ bringen.
Trotzdem mussten die 11 Freunde vorher noch besiegt. Das spielstarke Team hatte ansehnlichen Fußball gezeigt und lediglich mit einem als Chlod bezeichneten Torwarte eine Schwachstelle im Team. Da auch für die 11 Freunde noch ein Platz auf dem Treppchen möglich war entwickelte sich eine kampfbetonte Partie mit viel Einsatz auf beiden Seiten. Im Gegensatz zu den anderen Spielen ging es aber trotzdem fair zu Sache.
Nach 8 Minuten erlöste der Knipser seinen angespannten Coach legte die Kugel zum 1:0 in die Maschen. In der Folge verwaltete die BBB Abwehr um einen glänzend spielenden Timm das Ergebnis und sorgte sogar noch für den ein oder anderen Entlastungsangriff.
Erneut etwas zu früh, diesmal aber ohne dass sich jemand daran störte pfiff der Schiedsrichter die Partie ab.
Gemeinsam freute man sich über den Sieg, verzichtete aber auf übertriebenes Jubelgeschrei und affenartiges Rumgegrölle. Ein König nimmt die Krone an, springt deshalb aber nicht im Kreis.

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